Nicht das erste Mal
Als Mieter*innen und Arbeiter*innen ihre Kräfte vereinten
Die Geschichte lehrt uns: Rechte werden nicht geschenkt, sie werden erkämpft – indem wir uns organisieren und gemeinsam Kraft aufbauen. Das sind einige Streiks, die bewiesen haben, dass wir die Dinge verändern können, wenn wir gemeinsam die Arbeit niederlegen.

20.000 Haushalte traten gegen die Willkür der Vermieter in den Mietstreik. Die Mieterinnen organisierten den Widerstand in den Arbeitervierteln und trugen den Kampf bis in die Fabriken. Als eine ihrer Anführerinnen vor Gericht gestellt wurde, verließen 15.000 Werftarbeiter ihre Arbeitsplätze und umstellten das Gericht. Die gemeinsame Kraft der Streikenden und der Arbeiterbewegung zwang die Behörden zum Handeln und trug dazu bei, die ersten Gesetze zur Mietregulierung zu erkämpfen.
Fast 100.000 Menschen hörten auf, Miete zu zahlen – einer der größten Mietstreiks unserer Geschichte. Organisiert von der Bauarbeitergewerkschaft der CNT, ging die Mobilisierung über einzelne Häuser hinaus und breitete sich in den Arbeitervierteln aus. Auf die Repression gegen die Mieter*innen antworteten die Gewerkschaften mit einem zweitägigen Generalstreik. Der Kampf um Wohnraum bewies, dass er die gesamte Arbeiter*innenklasse mobilisieren kann.
Zehn Millionen Arbeiter*innen legten Italien in einem Generalstreik für das Recht auf Wohnen und gegen die steigenden Lebenshaltungskosten lahm. Der Druck erzwang das Einfrieren der niedrigsten Mieten und ein Programm zum Bau von 214.000 Wohnungen. Doch der Kampf endete nicht dort. Der Streik eröffnete einen Zyklus von Mieter*innenmobilisierungen, Besetzungen leerstehender Wohnungen und der Gründung neuer Gewerkschaften. In den folgenden Jahren errang die Bewegung weitere Erfolge, darunter 1978 ein Gesetz zur Mietregulierung.
Streiks, die etwas verändert haben
| 1855 | Der erste Generalstreik | Nach der Hinrichtung des Arbeiterführers Josep Barceló und dem Verbot der Arbeitervereine erlebte Barcelona im Juli 1855 den ersten Generalstreik in Spanien. Unter der Losung „Assoziation oder Tod“ legten Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter die Fabriken still, um das Recht auf Organisierung zu erkämpfen. |
| 1917 | Revolutionärer Generalstreik | Angesichts unkontrolliert steigender Preise und einer politischen Krise riefen UGT und CNT gemeinsam zu einem revolutionären Generalstreik auf. Trotz brutaler Repression erschütterte die Mobilisierung die Grundfesten des Restaurationsregimes. |
| 1919 | La Canadiense | Ein Streik, der mit acht Entlassungen begann, legte 44 Tage lang einen Großteil der katalanischen Industrie lahm. Die Solidarität der Arbeiter*innen zwang Unternehmer und Regierung zum Nachgeben. Zu den Errungenschaften gehört eine, die heute selbstverständlich scheint: der Achtstundentag. |
| 1951 | Der Straßenbahnstreik von Barcelona | Alles begann mit einem Volksboykott gegen die Fahrpreiserhöhung der Straßenbahn. Die Wagen fuhren leer, und der Protest weitete sich zu einem Generalstreik gegen die steigenden Lebenshaltungskosten aus. Mitten in der Franco-Diktatur gelang es, die Preiserhöhung zurückzuschlagen. |
| 1976 | Generalstreik für Freiheitsrechte und gegen die Teuerung | Mitten im Übergang zur Demokratie und noch unter den Strukturen der Franco-Diktatur riefen CCOO, UGT und USO am 12. November zum Generalstreik auf – gegen eingefrorene Löhne, Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftspolitik der Regierung von Adolfo Suárez. Sie forderten außerdem eine Amnestie für entlassene Arbeiter*innen und Gewerkschaftsfreiheit. Trotz Repression und obwohl die Gewerkschaften noch verboten waren, beteiligten sich mehr als zwei Millionen Menschen. Der Streik trug entscheidend dazu bei, die Diktatur von unten zu überwinden. |
| 1988 | Generalstreik vom 14-D | Millionen Arbeiter*innen legten das Land gegen den Jugendbeschäftigungsplan der Regierung von Felipe González lahm. Sogar das öffentliche Fernsehen stellte den Sendebetrieb ein. Die Kraft des Streiks zwang die Regierung, den Plan zurückzuziehen, und öffnete den Weg für neue soziale Errungenschaften. |
| 2002 | Streik gegen das „decretazo“ (Notverordnung) | Die Regierung Aznar wollte die Rechte von Erwerbslosen beschneiden. Die Antwort war ein Generalstreik, der ganze Wirtschaftszweige lahmlegte. Der Druck der Gewerkschaften zwang die Regierung, einen Großteil der Reform zurückzunehmen. |
| 2010 und 2012 | Gegen die Arbeitsmarktreformen | Millionen Menschen streikten erneut gegen Kürzungen, erleichterte Kündigungen und Austeritätspolitik. Auch wenn sie die Reformen nicht stoppen konnten, hielten die Mobilisierungen den Widerstand der Arbeiter*innen gegen jene wach, die uns für die Krise zahlen lassen wollten. |
| 2017 | Landesweiter Stillstand am 3. Oktober | Nach der Polizeigewalt vom 1. Oktober riefen Gewerkschaften und Organisationen zu einem Generalstreik und einem landesweiten Stillstand auf. Hunderttausende Menschen füllten die Straßen in ganz Katalonien und zeigten: Wenn wir gemeinsam stillstehen, steht alles still. |
| 2018 und 2019 | Feministische Streiks am 8M | Millionen Frauen gingen auf die Straße und riefen dazu auf, Arbeit, Studium, Konsum und Sorgearbeit niederzulegen. Die feministischen Streiks reichten weit über die Betriebe hinaus und bewiesen etwas Grundlegendes: Wenn wir Frauen streiken, steht die Welt still. Ihre Kraft rückte feministische Forderungen ins Zentrum der öffentlichen Debatte. |
Jetzt sind wir dran
Wenn sich Mieter*innen organisieren, zittern die Vermieter. Wenn sich diese Kraft mit der der Gewerkschaften verbindet, können wir das ganze Land lahmlegen.
Die Rechte, die wir heute haben, wurden erkämpft. Der Achtstundentag, Lohnerhöhungen oder die Mietregulierung waren das Ergebnis von Streiks, Mobilisierungen und jahrelanger kollektiver Organisierung. Hinter jeder Errungenschaft standen Menschen, die sich gegen ihre Chefs, ihre Vermieter und scheinbar unantastbare Regierungen stellten. Menschen wie wir, die sich organisierten und entdeckten, dass sie gemeinsam die Kraft hatten, die Dinge zu verändern.
Die Geschichte dieser Streiks erinnert uns auch an etwas Grundlegendes: Der Kampf um Wohnraum und der Kampf um Arbeitsrechte gingen schon immer Hand in Hand. Dieselben Menschen, die arbeiten, um einen Lohn zu verdienen, müssen einen großen Teil davon an Vermieter und Banken abgeben. Während Mieten und Lebenshaltungskosten immer weiter steigen, verlieren unsere Löhne an Wert. Und je schwerer es uns fällt, über den Monat zu kommen, desto schwieriger wird es, einen prekären Job abzulehnen, uns gegen unsere Chefs zu wehren oder einen Streik durchzuhalten. Die Ausbeutung, die wir bei der Arbeit erleben, geht weiter, wenn wir nach Hause kommen.
Deshalb erkannten die Mieter*innen in Glasgow und Barcelona vor über hundert Jahren, dass sie ihre Kräfte mit der Arbeiterbewegung vereinen mussten. Und deshalb legten im Italien des Jahres 1969 zehn Millionen Arbeiter*innen das Land lahm, um das Recht auf Wohnen einzufordern.
Heute liegt eine historische Chance vor uns. Wir haben die Straßen gefüllt, Siege errungen, die unmöglich schienen, und bewiesen, dass kollektiver Kampf den Mächtigen Rechte abringen kann. Jetzt wollen wir weiter gehen. Wir wollen die Mieten senken, Zwangsräumungen beenden, unbefristete Verträge erkämpfen und die Kaufkraft unserer Löhne zurückgewinnen. Wir wollen, dass das Geld, das wir mit unserer Arbeit verdienen, für ein würdiges Leben reicht, statt die Profite einiger weniger zu mästen.
Am 11. November treten wir in den Generalstreik für Wohnraum und gegen die hohen Lebenshaltungskosten. In jedem Viertel, in jedem Dorf, in jedem Betrieb und an jeder Uni und Schule haben wir die Aufgabe, uns zu organisieren, damit der Streik massenhaft wird. Denn die Kraft, die wir zum Gewinnen brauchen, liegt in unseren Händen, in unserer Fähigkeit, uns zu organisieren und gemeinsam zu handeln.
Vor hundert Jahren haben Mieter*innen und Arbeiter*innen bewiesen, dass sie Geschichte schreiben können. Am 11. November sind wir dran. Auf zum Generalstreik!